Was verstehen wir unter der fc-Methode?

fc ist eine Methode innerhalb des Spektrums der Unterstützten Kommunikation (UK), die mit Menschen mit eingeschränkter oder fehlender funktioneller Lautsprache systematisch das kommunikative Zeigen in der Interaktion als Alternative oder Ergänzung zur Lautsprache aufbaut. Auch Inhalte/Zeichen, auf die gezeigt wird, werden in Sinne der Entwicklung einer gemeinsamen Sprache zwischen ‚ZeigerInnen‘ und ‚Lautsprechern‘ in ihrem Umfeld systematisch aufgebaut, vom Zeigen auf einzelne Begriffe/Symbole, die als 1-Wortsätze dienen, bis zu mehrteiligen, syntaktisch zusammengesetzten Äusserungen und zum Schriftaufbau und dem buchstabierenden Tippen von Äusserungen.

Die Methode nahm unter dem Namen facilitated communication (fc) ihren Anfang in den70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Sprachtherapeutin Rosemary Crossley und die cerebral gelähmte Annie McDonald bei ihren Verständigungsversuchen entdeckten, dass die junge Frau, die nicht sprechen konnte, gezielt auf Dinge, Symbole und später Buchstaben zeigen konnte, wenn Crossley ihr dies mit körperlichen und verbalen Hilfestellungen ‚erleichterte‘ (facilitate = erleichtern, ermöglichen). Mit der Zeit lernte Annie McDonald auch, selbständig zu zeigen. In dieser kurzen Erzählung der Anfänge von fc sind bereits die Kernbegriffe enthalten, die für die Vorgehensweise prägend waren und sind: das kommunikative Zeigen, die anfängliche Kooperation mit einer Hilfsperson in der Ausführung der Zeigehandlung und die angestrebte Autonomie.

In der Folge wurde fc in verschiedenen Ländern bekannt, auch im deutschsprachigen Raum, Anfang der 90er Jahre. Hier wie auch in anderen Sprachregionen nahm sie eine sehr wechselhafte und teilweise unglückliche Entwicklung. Die Art der Hilfestellungen, die zu erfolgreichem Zeigen führen sollte und die Gründe, warum diese Hilfestellungen überhaupt nötig sein sollten, waren unterschiedlich und die Anleitung möglicher Hilfspersonen, ‚facilitator‘ genannt, war oft nur sehr rudimentär. Im deutschsprachigen Raum kam die in der Folge wohl mehr irreführende als hilfreiche ‚Übersetzung‘ von facilitated communication als ‚gestützte Kommunikation‘ hinzu. Dies verstärkt die Idee, dass die physische Begleitung und Unterstützung der Zeigebewegung durch die ‚Stützperson‘ bei der Methode im Vordergrund steht und letztlich das ‚Spezifische‘ der Methode darstellt. In den angenommenen und teilweise auch belegten Störungen der Eigenwahrnehmung und Willkürmotorik vor allem bei autistischen fc-NutzerInnen fand sich dann auch schnell eine passende Begründung, warum eine physische ‚Stützung‘ der Bewegung für eine gezielte Zeigehandlung notwendig sei. Es galt demnach vor allem, die richtige Technik der Stütze zu erlernen und diese Stütze dann über mehrere Jahre wieder ‚auszublenden‘, bis ein Nutzer die Zeigebewegung selbständig meisterte. Dieses vollständige Ausblenden der physischen Hilfestellungen gelang allerdings nur selten.

Neben der physischen Begleitung der Zeigebewegung durch eine Hilfsperson machte die Methode schnell auch dadurch auf sich aufmerksam, dass damit nicht-sprechende Menschen, die als kognitiv stark beeinträchtigt diagnostiziert waren, sehr schnell anfingen, sich schreibend zu äussern. Diese Texte zeugten teilweise von erstaunlichen sprachlichen und intellektuellen Fähigkeiten und huldigten ein wenig dem Bild des ‚idiot savant‘, des ‚genialen Idioten‘, das gerade im Zusammenhang mit Autismus und Inselbegabungen auch von der Wissenschaft in der Vergangenheit oft gern bemüht wurde. Aber die Beherrschung der Schriftsprache und die Themen, zu denen sich die fc-Nutzenden äusserten, schienen doch sehr weit über dem zu liegen, was man ihnen aufgrund ihrer Diagnose und ihres Verhaltens im Alltag an kognitiven Leistungen zutrauen konnte. So ist es nicht verwunderlich, dass Kritiker bald zu Recht auf die Gefahren dieser ‚Produktionsmethode‘ hinwiesen, Zweifel aufkamen, dass die behinderten Menschen tatsächlich die Autoren des gestützt Geschriebenen waren und der Vorwurf der Manipulation und Beeinflussung durch die Stützpersonen im Raum stand. Als dann noch sogenannte Validierungsstudien zeigten, dass es den fc-Nutzenden oft schwer viel, eine Information zu äussern, die der Stützperson nicht bekannt war, sie teilweise sogar Informationen gestützt wiedergaben, die nur der Stützperson, nicht aber ihnen bekannt sein konnte, war für viele Kritiker klar, dass fc nicht funktionierte, ja sogar schädlich sein konnte.

Es gelang jedoch immer wieder für einzelne fc-Nutzende, den Nachweis ihrer Autorenschaft zu erbringen und zu lernen sich ohne Berührung zeigend und schreibend zu äussern. Dennoch führte der Fokus auf die physische Unterstützung während der Bewegung – oft über mehrere Jahre an Hand oder Unterarm – als wichtigstes Element der Unterstützung und notwendig für ein erfolgreiches Zeigen der Nutzer und die meist sehr einseitige Konzentration auf das buchstabierende Schreiben für die Produktion von Äusserungen für viele Nutzer dazu, dass sie aus Mangel an Zeit und Stützpersonen viel zu wenig und viel zu wenig alltagsintegriert kommunizieren konnten. Im Extremfall – der aber leider nicht selten vorkam – hiess dies, dass ein fc-Nutzer/eine fc-Nutzerin vielleicht 1 x pro Woche 1 Stunde mit einer ‚Stützperson‘ isoliert ‚fc machte‘. Die Förderung von Interaktionskompetenzen insgesamt als Basis des kommunikativen Zeigens, die Verwendung von Hilfsmitteln, die selbständigeres, schnelleres und damit selbstverständlicheres und alltäglicheres kommunikatives Verhalten ermöglichen könnten traten dabei fast zwingend in den Hintergrund oder wurden ganz vernachlässigt.

Seit einigen Jahren entwickelten sich jedoch in verschiedenen Ländern relativ unbemerkt und unbeachtet aus den Erfahrungen mit fc heraus auch neue Ansätze und andere Vorgehensweisen der Förderung des autonomen kommunikativen Zeigens und des Schriftaufbaus mit Menschen mit eingeschränkter Lautsprache und kognitiven Beeinträchtigungen. Man könnte dies Entwicklungen vielleicht auch ‚vorwärts zu den Wurzeln‘ nennen. Denn hier steht nicht mehr das ‚Stützen‘ sondern wieder das Zeigen im Fokus, nicht das Schreiben sondern das Kommunizieren mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in alltäglichen Interaktionen. Vertreter dieser neueren Ansätze, die alle sehr ähnlich vorgehen, sind das W.O.C.E.-Programm des Centro studi è ricercha in neuroriabilitazione CNAPP in Rom, die Interaktions- und Kommunikationsförderung im Projekt tabula rasa der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft communi-care in Heidelberg und das vom IFC entwickelte Programm EFCIC.

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